Lehrling webTradition trifft Zukunft. Holzbau-Fachleute, zu denen Zimmererlehrlinge ausgebildet werden, pflegen ihre Traditionen und errichten spektakuläre Bauwerke mit modernster Technik. Holzbauer erfahren mit der Ökologisierung am Bau einen Aufschwung, der auch weiteren Handwerkergenerationen sichere Einkommen bietet.
Hört man heute das Wort ZIMMERER, denkt man sofort, das muss doch etwas mit einem Zimmer zu tun haben. Und so falsch liegt man damit auch gar nicht. Denn das Wort leitet sich vom mittelhochdeutschen „zimber“ ab, was wiederum „Bauholz“ heißt und im weitesten Sinn als „Bau“ verstanden wurde. Zimmerer sind also jene Profis, die mit Bauholz arbeiten und daraus Gebäudeteile, Dachstühle, tragende Decken oder ganze Häuser bauen. 

Außerdem stellen Zimmerer Bauteile von Fertigteilhäusern her, montieren sie am Einsatzort und dämmen sie wärme- und schalltechnisch mit ökologischen Baustoffen. Sie lesen Werkpläne, ermitteln in der Arbeitsvorbereitung den Materialbedarf und den technischen Abbund. Auf dieser Basis werden die Bauteile „abgebunden“ und mit handwerksmäßigen oder neuzeitlichen Holzverbindungen komplettiert. Das geschieht in den Werkhallen und Betrieben gemeinsam mit Berufskollegen. Die Montage auf den Baustellen erfordert dann die Zusammenarbeit mit den Fachleuten anderer am Bau tätigen Gewerke.

Friedrich Egger, Innungsmeister der Holzbau-Meister in Salzburg betont: "Holz war und ist in unseren Breiten in großen Mengen direkt vor Ort verfügbar. Es ist leicht zu transportieren und zu bearbeiten. Es hat hervorragende Tragfähigkeiten in Bezug auf sein Gewicht und wächst von alleine nach, indem es schädliches CO2 in Zuckerstoffe umwandelt und damit bindet, so die Holzstruktur bildet und obendrein noch reichlich Sauerstoff über Photosynthese an die Umwelt abgibt. Eigentlich ein Wunderstoff der Natur."

 

Zimmerer und Zimmereitechniker – Traditionsträger am Puls der Zeit.

Viele der heutigen Holzbaumeister haben ihre Ausbildung mit der klassischen Lehre begonnen. Die Lehre zum Zimmerer oder Zimmereitechniker ist eine Ausbildung „on the job“. Je nach Ausbildungsfortschritt werden junge Kollegen in die Gemeinschaft eines Teams integriert und lernen so, unter Anleitung erfahrener Kollegen, die neuen theoretischen Kenntnisse praxisorientiert umzusetzen – in freier Natur bei Wind und Wetter – und wie wichtig Teamarbeit in der Verwirklichung von Projekten ist.

Die Zimmerer-Lehre dauert 3 Jahre, die Lehre für Zimmereitechniker umfasst 4 Jahre. Die wesentlichen Unterschiede der Erweiterung liegen in der Kooperation mit anderen Gewerken, Planwesen und Arbeitsvorbereitung sowie Baustellenaufzeichnungen usw.Idealerweise erfolgt eine Entscheidung bis zum Ende des zweiten Lehrjahres, ob man auf Zimmereitechniker umsteigt. Im vierten Lehrjahr gibt es dann von den Ausbildungsinhalten zusätzliche Elemente wie die Erstellung von Konstruktionszeichnungen, Abbund-, Fertigungs- und Montageplänen mittels EDV-Programmen. Sowie die vermehrt selbständige Planung und Abwicklung von Projekten und Aufträgen. 

Die dreijährige Ausbildung für Zimmerer endet mit der Gesellenprüfung (amtl. Lehrabschlussprüfung). Wenn noch das erwähnte zusätzliche Ausbildungsjahr angeschlossen wird, erlangt man nach 4 Jahren den Status des Zimmereitechnikers. Die Ausbildung hat auch finanzielle Vorteile - so ist die Lehrlingsentschädigung zum Beispiel ziemlich hoch. Man verdient so bereits als Lehrling gutes Geld. Außerdem gibt es noch eine Reihe an Förderungen und Vergütungen bei Veranstaltungen, im öffentlichen Nahverkehr – auf Landes und/oder Bundesebene. 

Ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter ist der Besuch einer Bauhandwerkerschule für Holzbau, in der man spezielle Techniken erlernt, um als Polier im Holzbaubetrieb arbeiten zu können. Die Polierausbildung stellt auch die Vorstufe zum Meister dar.

Bevor man einen Vorbereitungskurs zur Befähigungsprüfung (Meisterprüfung) besucht, sollte in der Polierschule der nötige Wissensgrundstock gesammelt werden. Über Mathematik und Darstellende Geometrie werden die Grundvoraussetzungen für Statik und Festigkeitslehre aufgebaut. Betriebsorganisation, Bauformenlehre, Planung & Entwurf sowie Normenwesen und Baugesetze runden das Bildungsangebot ab.

Die Befähigungsprüfung

 

In Österreich ist die Befähigungsprüfung schließlich die „Krönung“ der Ausbildung und hat weltweit kein Pendant. Der Abschluss einer universitären Ausbildung ersetzt keine Meisterprüfung. Natürlich haben akademisch ausgebildete Bauexperten einiges an theoretischem Wissen in Spezialbereichen erlernt. In der Befähigungsprüfung wird ein umfangreiches praktisches und theoretisches Wissen auf höchstem Niveau abgefragt. Schließlich tragen Holzbau-Meister eine große Verantwortung. Sie sind berechtigt Gebäude, Bauwerke zu planen, zu berechnen, bei der Behörde zur Genehmigung einzureichen und auszuführen. Sicherheit steht im Vordergrund, und deshalb muss auch der hohe Ausbildungsgrad über die Befähigungsprüfung nachgewiesen und erfüllt werden. Die Anerkennung dieser anspruchsvollen und umfangreichen Ausbildung in der Stufe eines „Bachelors“ ist in Umsetzung!

Zimmerleute sind gut geerdet und wollen "trotzdem" hoch hinaus.

Schon als man prachtvolle gotische Kathedralen in schwindelerregende Höhen baute, waren es die Zimmerleute, die dem Ganzen die „Krone“, das schützenden Dach aufgesetzt haben. Damals hat man Methoden entwickelt, um die stabförmigen Konstruktionen schon am Boden so zu bearbeiten, sie dann in Einzelstäben über Seilzüge bis in die Dachregionen zu heben und dort einem „Steckspiel“ gleich zusammenzufügen. Die Methode, die im Raum liegenden Hölzer so zuzuschneiden, dass sie dann, zusammengefügt ein Tragwerk ergeben, nennt man „Austragung“. Die zeichnerische Methode wurde aus der Darstellenden Geometrie entwickelt und ist bis heute gültig. Sie bildet die Basis unseres Wissens und setzt dreidimensionales Vorstellungsvermögen voraus. Mit dem Aufkommen elektronischer Taschenrechner wurde es dann relativ einfach die bisher zeichnerisch ermittelten Maße auch zu errechnen. Allerdings folgt die Rechnung genau dem Weg der Zeichnung. Man muss also die zeichnerischen Methoden „im kleinen Finger“ haben um diese rechnerisch anzuwenden.

"Heute haben wir Computerprogramme zur Verfügung, die uns helfen rasch und bequem zu den einzelnen Abbund Maßen zu gelangen. Jene, die so ein Holzbauprogramm entwickeln und die Rechenvorgänge in einem Computerprogramm niederschreiben, müssen all die zuvor genannten Methoden beherrschen", führt Ing. Josef Rainer aus – seines Zeichens stellvertretender Innungsmeister der Salzburger Holzbau-Meister.

Betrachtet man die Entwicklung dieses Handwerks, so versteht man auch, dass die Zimmerleute einen engen Bezug zur Tradition pflegen, obwohl sie heute mit moderner Technik die tollsten Bauwerke errichten.

 

 

 

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